07.08.2009 und 08.08.2009

8. August 2009

Man kann zwar auch an einem Tag von San Diego nach San Francisco fahren, aber das wird dann schon anstrengend und ermüdend. Ich habe den gestrigen Tag nördlich von Los Angeles beendet und bin dann am heutigen Tag weitergefahren. Ich bin mittlerweile auch froh darüber, dass ich mich entschieden habe, diese Strecke mit dem Auto zu machen, denn es sind hier wieder gewaltige Steigungen zu überwinden. In San Francisco angekommen habe ich erstmal am Flughafen meinen Rückflug umgebucht vom 26.08 auf Sonntag, den 09.08.2009. Danach bin ich auf dem Highway 101 über die Golden Gate Brücke nach Norden bis nach Sausalito(2. Ausfahrt nach der Golden Gate Brücke) gefahren. Das ist ein ganz putziger Ort, von dem aus man einen unvergleichlichen Blick auf San Francisco hat. Es scheinen dort auch nicht eben arme Leute zu wohnen, die Anzahl der deutschen Luxusautomobile ist beträchtlich. Die Preise sind ebenfalls nicht ganz so niedrig wie ansonsten, aber dafür bieten die Restaurants auch wirklich Gerichte an, auf die ich in den letzten zwei Monaten verzichten musste. Der Wechselkurs erhöht dabei die Schmerzgrenze. Ich habe im “Gable Inn “  eine Nacht geschlafen, mitten im Ort, sehr ruhig, ein Zimmer mit affenem Kamin, alles sehr romatisch, aber nicht, wenn man alleine pennt! In diesem kleinen Hotel kommt man auch unkompliziert mit anderen Gästen in Kontakt, da jeden Abend um 17.00 Uhr, mit Wein und Käse ie Hotelgäste zusammen kommen.

Die Gespräche mit den anderen Gästen und meine Erfahrungen der letzten beiden Monate lassen mich an dieser Stelle vorhersagen:

Obama wird keine tiefgriefende Gesundheitsreform schaffen können. Es besteht zwar bei der Mehrheit der Amerikaner, mit denen ich im Verlauf der zwei Monate über dieses Thema gesprochen habe, die Einsicht, dass man eine Regelung braucht, aber es sind ganz tiefgreifende Vorbehalte gegen eine staatliche Krankenversicherung vorhanden. Man will schlicht und einfach nicht, dass der Staat sich da einmischt. Es gibt einen  breiten Konsenz, dass alles nur teuer und schlecht wird, wenn der Staat seine Finger irgendwo drin hat. Man ist bereits Bedürftigen etwas zu spenden, freiwillig Hilfe zu leisten, aber der Staat soll sich bitte  aus allem weitgehend raushalten. Der Staat soll das Land nach außen hin schützen, aber ansonsten ist jeder für sich verantwortlich und wer das nicht kann, dem wird aus Mildtätigkeit geholfen oder aber der ist an seiner mißlichen Situation selber schuld. Ich lege mich fest, auch Obama wird keine staatliche Krankenversicherung schaffen können.

Von Sausalito aus kann man mit einer regelmäßig verkehrenden Fähre an die Fishermen`s Wharft fahren, dann ist man mitten in SF.Hunderte von Radfahrern mieten in SF Fahrräder, fahren dann über die Golden Gate Brücke und mit der Fähre wieder zurück nach SF. Ich wurde von einem  älteren Ehepaar aus meinem Hotel mit in die Stadt genommen, habe einen langen Spaziergang  am Meer entlang und durch das Chinesenviertel gemacht, Dim Sum probiert in einem Lokal mit 3 (i.W.drei ) Stühlen und unwahrscheinlichem Gedränge. Nachmittags ging es dann wieder mit der Fähre nach Sausalito und zu meiner neuen Bleibe, in Corte Madera, ca. 8 km weiter nördlich.

Dort hatte ich einen schönen Pool, an dem ich den Tag verbracht habe.

Den Samstag werde nochmals faulenzen und am Sonntag, den 09.08.2009, 14.10 Uhr, geht es zurück nach Deutschland. Am kommenden Montag, 10.08.2009, 13.55 Uhr werde ich in Düsseldorf ankommen. Ein langer Trip ist zu Ende!

05.08.2009

6. August 2009

Heute habe ich mir bereits den Leihwagen geholt, alles verstaut ( Vorderrad ausgebaut) und dann bin ich “Seaworld” Park gefahren. Die gesalzenen Eintrittpreise (55 Dollar pro Tag/Person) sollten einen nicht abschrecken. Die Show mit den Delphinen und den Orkas ist außergewöhnlich. Ansonsten kann man sich in dem Park den ganzen Tag aufhalten, was wahrscheinlich auch gewünscht ist, denn es ist alles etwas teurer als normal. Es ist mir wieder aufgefallen, wie die Miltitärangehörigen hier angesehen wurden. Vor der Orka Show wurden alle Militangehörigen gebeten aufzustehen und dann gab es tosenden Beifall für die “Helden”. Wer ganz sicher gehen will, dass er  Ärger bekommt, der muss hier nur das Militär kritisieren. Da gibt es keine Toleranz!  Im Gegensatz dazu steht , dass erst unter einem Demokraten, nämlich Obama, eine Regelung eingeführt wurde, die eine finanzielle Unterstützung für Soldaten vorsieht, die im Auslandseinsatz waren und danach studieren wollen. Die Versorgung von Traumatisierten und Langzeitverletzten ist auch noch nicht auf dem gleichen Niveau, auf dem sich die Verehrung und das Ansehen befindet.

Für unsere deutschen Polizeiführer habe ich auch noch eine Anregung. Als ich am 1. Tag in San Diego war, wollte ich in das zentral gelegene Einkaufszentrum in der Innenstadt. Das war etwa 800 m vom Hotel entfernt. Da brachte das Fernsehen eine Eilmeldung, dass dort auf einer sehr belebten Straßenecke (etwa wie Hohe Pforte- Schildergasse in Köln), gegen 16.30 Uhr, ein Mann erschossen worden war. Nach dem Fernsehbericht hatte der ca. 45 jährige Täter kurz vorher versucht mit einem ca. 15 cm langen Messer bewaffnet ein Geschäft zu überfallen. Als der erste Polizist den Mann nach dem versuchten Raub mitten auf der Kreuzung stellte, hat er ihn mehrfach aufgefordert das Messer fallenzulassen. Das hat er nicht gemacht und die polizeiliche Verfügung wurde dann mit zwei Schüssen untermauert, die tödlich waren. Der Mann verstarb mitten auf der Kreuzung. Die Berichterstattung war ausufernd, aber auch die befragten Passanten fanden durchweg, dass er ja die Chance gehabt hätte, das Messer fallen zu lassen. Da fiel kein Wort der Kritik. So ein Stück Wilder Westen hat man sich hier schon noch bewahrt!!!

Was bei uns für eine Maschinerie angelaufen wäre, will ich gar nicht schreiben, ich habe nämlich Urlaub.

04.08.2009

4. August 2009

Die verdammten Nachtfahrten der Vergangenheit haben mich dermaßen konditioniert, dass ich jetzt um 05.00 Uhr hellwach im Bett liege.  Das muss sich erst wieder ändern, damit ich die Tage richtig geniessen kann. Heute habe ich mit dem Rad San Diego erkundet. Das ist schon sehr praktisch, wenn man sieht, wie die plattfüßigen Tourusten sich hier durch den Tag schleppen und spätestens ab Mittag den Gesichtsausdruck eines Gekreuzigten haben, dann fliegt man auf dem Rad ganz locker an denen vorbei, kann weitaus mehr erkunden und sehen. Der hier in San Diego als Museumsschiff liegende Flugzeugträger “Midway” lohnt eine Besichtigung, die dann auch einige Stunden dauert. Danach gab es eine herrliche Fahrt entlang der Küste, Pausen soviel und solange ich wollte und zum Mittagessen gegrillten Tintenfisch mit Salat.

Für morgen habe ich einen Mietwagen bestellt, den ich hier ganz in der Nähe abholen kann. Das Vorderrad wird ausgebaut und dann paßt mein Fahrrad bequem ins Auto. Auf der Fahrt nach Norden mache ich noch im “Seaworld” Station und dann geht es weiter nach San Francisco. Alles ohne Hetze und mit viel Gelassenheit.

64. Reisetag 03.08.2009

3. August 2009

Alles ist ganz locker und entspannt, nichts regt mich mehr auf und die Gelassenheit geht bereits soweit, dass ich mich dazu zwingen muss, die notwendigen Verhaltensweisen bewußt einzuhalten.  Diese Art der fehlenden Konzentration führt nämlich  dazu, dass man irgendwelche Ding vergißt, verliert oder man der Straße und dem Verkehr zu wenig Aufmerksamkeit widmet und dann ist es mit der Gelassenheit direkt und abrupt vorbei. Ich träume auf dem Fahrrad und muss mich immer wieder in die Realität zurückholen. Um 08.00 Uhr gehts in Alpine los, bergab, und dann wird es etwas schwierig die richtige Straße zu erwischen, aber nach 2 Monaten Übung klappt das dann und es erfolgt eine lange Fahrt durch die Vororte von San Diego, wo ich um 11.30 Uhr am Hafen eingetroffen bin. Zuerst wollte ich runter ans Wasser. Das Foto mit dem Pazifik im Hintergrund hat ein Passant gemacht. Jetzt bin ich da, die Schinderei hat ein Ende! Nach 64 Tagen (3 Ruhetage), 5350 km, 5 Platten und sehr viel Schweiß, habe ich es geschafft. Ich habe selber manches mal gezweifelt, unmittelbar vor der Tour, aber auch während der Fahrt, weil ich manchmal einfach nur wollte, dass die Schinderei ein Ende hat.

Jetzt werde ich 2 Tage ausspannen und dann mit einem Leihwagen weiter nach San Francisco fahren und von dort aus nach Hause fliegen. Der Blog wird jetzt weniger spannend, eher touristisch, aber das gönne ich mir.

63. Reisetag 02.08.2009

3. August 2009

Angesicht der gemäßigteren Tagestemperaturen und der eigentlich geplanten kürzeren Etappe heute, habe ich seit langer Zeit mal wieder richtig amerikanisch gefrühstückt, bevor ich losgefahren bin. Es ging ging dann auch gleich über den ersten von etwa 15 Hügeln, von denen manche wirklich 3 km lang waren. Ich bewegte mich zwar auf einer Art Hochplateau, aber um von einem Tal ins nächste zu kommen, musste man nunmal über diese Hügel. Insgesamt erzielte man keinen Höhengewinn, weil es dazwischen auch mal wieder richtig bergab ging. Insgesamt aber eine recht anspruchsvolle Strecke, die  mir am vorletzten Tag der Tour nochmal alles abverlangte. Ich habe jedenfalls heute 11 Liter Wasser auf der Etappe verbraucht und damit keine Blumen gegossen! Es war aber nur um die 30 Grad heiß, so dass sich das ganz gut bewältigen ließ. Mein Tagesziel mit dem verheißungsvollen Namen “Alpine” erreichte ich nach 76 km und etwas über 5 Stunden Fahrzeit. Wobei da die Strecken, die wirklich weh tun, schon abgeradelt sind. Alpine liegt schon auf der Abfahrt nach San Diego. Es sind bis zum Stadtzentrum noch 30 Meilen zu fahren und das wird morgen – so hoffe ich – ein reines Vergnügen. Es ist schon so, dass irgendwie eine große Last von den Schultern genommen wurde, jetzt, wo man das Ziel vor Augen hat.

Ich fühlte mich schon  all denen zu Dank verpflichtet, die daran geglaubt haben, dass ich diese Strapazen schaffen kann. Ich empfinde auch eine große Genugtuung über das erreichte Ziel und auch Stolz und Zufriedenheit. Dabei will ich nicht verhehlen, dass alle diejenigen, die mich während der beiden letzten Monate in welcher Form auch immer anspornten oder mir nur das Gefühl gaben, dass sie auf mich vertrauen, einen gehörigen Anteil am Gelingen haben. Ganz besonders aber Mara, die mir mit ihrer Entscheidung, mich für 2 Monate  fahren zu lassen, einen Lebenstraum erfüllt hat. Ich möchte an dieser Stelle niemand sonst erwähnen, weil ich befürchte, evtl. jemand zu vergessen. Ich danke allen, die mir mit ihren Wünschen, Mails, Aufmunterungen oder sonst wie geholfen haben, diese Tour zu Ende zu bringen.  Ich bitte an dieser Stelle auch um Verständnis für meine vorgenannte Sorge.

62. Reisetag 01.08.2009

2. August 2009

Nach dem Wetterbericht und der Weg-Zeitberechnung brauchte ich heute erst nach 06.00 Uhr losfahren. Also gemütlich gefrühstückt und dann auf die Autobahn. Nach 14 km musste ich bereits wieder runter und fuhr auf der alten Route 80 auf die Berge zu. Die sahen zwar mordmässig beeindruckend aus, aber das lag – nach meiner Einschätzung -letztlich nur daran, dass ich quasi auf der Höhe o war und diese kargen Wüstenberge ca. 2900 m hoch sind. Dazu sehen sie sehr unwirtlich und steil aus. Nach 50 km durch  Sandwüste war ich dann an der Stelle, an der der Highway 80 wieder auf die Autobahn traf und ich durfte dann auch wieder drauf. Da war dann auch die erste Tankstelle nach El Centro, das eigentlich gewünschte 2. Frühstück musste ausfallen, weil ansonsten nichts da war und ein Cafe neben der Tankstelle geschlossen hatte. Also schnell was auf die Faust, eine Flasche Wasser hinterher und los gings, der letzte anstrengende Pass wollte genommen werden.

Beruhigend in diesem Zusammenhang war für mich, dass ich nach der ersten Steigung, die ich als ungewöhnlich steil empfand, Schilder sah, auf denen den Autofahrern empfohlen wurde, die Klimaanlage auszumachen, da auf den nächsten 10 Meilen Überhitzungsgefahr für den Motor bestünde. Überhitzungsgefahr für den Motor auf 16 km, dann muss es danach ja wieder gerade werden oder vielleicht sogar bergab gehen? Damit man diese Überhitzungsprobleme überstehen kann, war etwa jede halbe Meile ein Betonbehälter mit Kühlerwasser aufgestellt.

Für Radfahrer schienen keinerlei Gefahren zu bestehen, denn sonst hätte man doch bestimmt darauf hingewiesen, Überhitzung, Quatsch, doch nicht bei Radfahrern!

Ich begann um 08.30 Uhr bergauf zu fahren und nach einer schier endlosen Quälerei kam ich um 11.30 Uhr oben auf dem Pass an. Das war der härteste Aufstieg während der gesamten Tour. Ich habe zwar nicht schieben müssen, aber ich musste mehrmals anhalten, um wieder zu Atem zu kommen. Es war eine wirkliche Quälerei und ich musste mit ein Handtuch aus dem Rucksack holen, damit ich mir den Schweiß abwischen konnte, ich konnte ansonsten nichts mehr sehen. Den Berg machte ich zum persönlichen Feind und ich sprach auch mit ihm. Ich sagte ihm ganz klar und auch laut: Du Sch.. wirst mich nicht schaffen! Danach ging es 20 m leichter und was dann kam, tat wieder weh, wie vorher auch. Irgend wann habe ich aufgehört die vermeintlich geschafften Höhenmeter abzuschätzen, ich nicht mehr darüber nachgedacht, ob nach den nächsten Kehren ein flaches Stück kommt oder nicht, ich habe mich nur noch von einer Verschnaufpause zur anderen gequält. Die Temperatur näherte sich bereits wieder den 40 Grad. Auf dem Pass in ca. 1400 m Höhe angekommen wurde ich von der I-8 geleitet, auf den alten Highway 80. In der Unterquerung der Autobahn standen wie ansonsten auch an jeder Ecke – die mexikanische Grenze ist gerade mal zwischen 200 – 800 m südlich der Autobahn- zwei Beamte der Border Patrol. Die Unterquerung war auch seit 3 Stunden der einzige Schatten und den wollte ich auch ausnützen. Die beiden Jungs haben sofort angefangen, meinen leeren Camelpack mit frischem Eiswasser aufzufüllen und es gab einen Energiedrink extra. Mir war schwummerig gewesen, die Beine zitterten und ich wollte nur noch aus der Sonne. Der Schatten tat unendlich gut und die kalten Getränke auch, meine Reserven waren zwar nicht aufgebraucht, aber die letzten 1 1/2 Litter Wasser waren sehr warm geworden. Das war keine Erfrischung mehr, da konnte man den Körper nicht mehr runterkühlen. Wer immer von El Centro auf der I-8 Richtung San Diego gefahren ist, der wird sich an diesen Aufstieg erinnern, und jetzt spreche ich von Autofahrern!

Der Highway 80 führte mich dann nach einer längeren, gemächlichen Abfahrt nach Jacumba, Ca. Dort tauchte dann ein Restaurant auf und es stellte sich heraus, dass es nicht nur ein Restaurant war, sondern auch eine Lodge mit einer heißen Quelle und schwefelhaltigem Naturpool. Da war dann nach 74 km die Entscheidung gefallen, da wollte ich bleiben. Es gab auch ein Restaurant und ungelogen, dort serviert man einen Burger, der mir besser schmeckte als jeder Burger, den ich in den beiden zurückliegenden Monaten gegessen habe. Der Burger ist einen Zwischenstop wert ( Jacumba Hot Springs Spa and Lodge, Ausfahrten 65 oder 77 von der I-8)!!!!

Die Betreiberin ist in der Schweiz geboren und spricht auch deutsch.

Für mich ein sehr versöhnlicher Ausklang des Tages, mit bereits etwas niedrigeren Temperaturen während der Nacht, zwei Thermalbecken und einem Whirlpool und einem Restaurant 20 m neben dem Zimmer. Der Koch in diesem Lokal ist wirklich gut, Gemüse ist al dente und es gibt nicht nur das übliche Angebot. Man kann dort auch ohne Übernachtung die Schwefelbecken nutzen, die Temperaturen sind durch viele große Bäume ausgesprochen angenehm und nachts kühlt es sogar richtig ab. Das hatte ich seit Wochen nicht mehr erlebt. Vielleicht schwärme ich von diesem Platz, weil er nach dem beinharten Aufstieg aus der Wüste, wirklich wie eine Oase war für mich. Die gesamte Anlage ist nicht neu, hat aber einen gewissen Reiz und Charm. Die Zimmer sind einfach, zweckmäßig und mit mit 55 Dollar auch nicht zu teuer. Die Leute in dem Betrieb sind ausgesprochen nett und freundlich. Internetzugang soll es geben, hat bei mir aber nicht funktioniert.

Mir wurde von allen dort tätigen Personen bestätigt, dass es jetzt nur noch bergab gehen würde, bis nach San Diego. Wie immer nimmt der menschliche Geist  dieses “süße Gift” einer Mitteilung, die er auch gerne hört, auf und es bedarf einer gehörigen Portion gesundem Menschenverstandes, Erfahrung, Mißtrauen usw., um trotz dieser Auskünfte zu einer realistischen Einschätzung über die Streckenführung zu kommen. Wenn die Berge rings herum bis 2900 m hoch sind und man noch 120 km bis San Diego zu fahren hat, dann kann es schlicht nicht nur bergab gehen!! Auch wenn man es sich noch so sehr wünscht.

61. Reisetag 31.07.2009

31. Juli 2009

Heute morgen habe ich gegen 05.15 Uhr, die letzte Staatengrenze in den USA nach Kalifornien hinein überquert. Das entsprechende Schild war nur für mich wichtig, weil es den letzen zu durchquerenden Bundesstaat anzeigt. Arnie Schwarzenegger hatte wohl nur noch Geld für ein richtig popeliges Schild, aber es ist ja bekannt, dass jedes Kind mit 3 Dollar 70 Cent im Sparschwein mehr Geld hat, als der Staat Kalifornien, der hat nämlich nur noch Schulden. Arnie musste für sein Sparprogramm 27 Milliarden Dollar einsparen und da gehen die Politiker hier wirklich ans Eingemachte. Da werden Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute und sonstige staatliche Bedienstete von jetzt auf gleich entlassen. Man diskutiert jetzt auch in Kalifornien 10.000 Häftlinge vorzeitig aus der Haft zu entlassen, weil man dadurch entsprechendes Geld einsparen kann. Dabei ist es aber auch wichtig zu wissen, dass man in Kalifornien wegen eher geringfügiger Delikte bereits in Haft genommen wird.

Die Autobahn I-8 und mein Standstreifen, waren aber durchweg in Ordnung. Als ich dann 35 km gestrampelt hatte, war ich im Bereich der großen Sanddünen und an einem Punkt angekommen, an dem die mexikanische Grenze nur 200 m südlich von der Autobahn entfernt ist. Da wurde ich plötzlich durch Schilder aufgefordert mit meinem Fahrrad die Autobahn zu verlassen. Naja dachte ich, dann geht es eben neben der Autobahn weiter, das war auch im Prinzip so, allerdings war diese Straße durch Bauarbeiten für jeglichen Verkehr gesperrt und unpassierbar. Wegen der Grenznähe fahren dort unentwegt Streifenwagen der Border Patrol herum, die mir bestätigten, dass auf der Parallelstr.  kein Durchkommen war und die sich ganz überrascht zeigten, dass ich nun auch nicht mehr auf der Autobahn fahren durfte. Ganz gesetzestreuer Bürger wie ich bin, habe ich also an der Auffahrt gewartet, aber es fuhr niemand in meine Richtung. Also bin ich wieder auf die Autobahn und habe versucht mit erhobenem Daumen einen “ride” zu bekommen. Aber so nahe an der mexikanischen Grenze will niemand einen Anhalter mitnehmen, wobei ich allerdings stark vermute, dass die mexikanischen Illegalen nicht mit einem vollgepackten Fahrrad und einem Fahrradhelm ausgestattet sind, die tragen doch Sombreros, oder??? Jedenfalls wollen die Leute hier nicht in den Verdacht geraten Illegale zu befördern/ einzuschleusen.

Mir lief  jedenfalls die Zeit weg, es wurde immer heißer und um 08.00 Uhr habe ich dann diesen misslichen Zustand beendet und bin einfach wieder auf dem Standstreifen losgeradelt.  Im Geiste habe ich bereits versucht mehrere Varianten an Ausreden ins Englische zu übersetzen, wenn die Highway Patrol mich anhalten sollte.

Hat sie aber nicht, angehalten wurde ich an einer Kontrollstelle der Border Patrol, die wollten aber nur etwas plaudern und schickten mich mit besten Wünschen weiter. Die Streifenwagen der Highway Patrol fuhren auch zügig an mir vorbei und langsam beschlich mich das Gefühl, dass ich einfach zu dämlich war, weil ich da die beste, da kühlste Zeit des Tage, vertrödelt hatte. Es wurde mal wieder fürchterlich heiß und ich wurde daran erinnert, dass man auch auf die letzten Tage und im sicheren Gefühl, dass man alles beinahe schon geschafft hat, nicht nachlässig werden darf.

Ich hatte nämlich am Morgen festgestellt, dass das Ladegerät für mein Netbook den Dienst eingestellt hat. Das ärgerte mich kollossal und ich war in Gedanken schon damit beschäftigt, nach der heutigen Tour ein neues Ladegerät kaufen zu müssen. Davon habe ich mich so ablenken lassen, dass ich mit lediglich mit 3 1/2 Liter Wasser losgefahren bin. Ich habe schlichtweg vergessen, noch was zu kaufen, weil ich ja bereits mit der Anschaffung des blöden Ladegerätes beschäftigt war. Es kommt dann auch so, wie es kommen muss, es kommt nämlich keine Tankstelle! Nichts, nada, niente! Es ist zum Verrückt werden! Man fängt an, die Ausfahrten zu zählen und hebt sich dann den letzten Viertelliter für einen echten Notfall auf. Naja, ich will nicht dramatisieren, als ich dann aber nach 96 km und knapp 5 Stunden die Ausfahrt 115 in El Centro genommen habe, da leuchtete der Doppelbogen von MC Donald wie ein Morgenstern. Ich habe ja auch nur kurz gefrühstückt am Morgen und ich hatte richtig Durst.  Ich gebe es zu, ich habe den großen Becker 7 x mit (selbstverständlich) Diet Coke gefüllt und nach einer halben Stunde hatte ich auch das Gefühl, die Flüssigkeit ist überall im Körper angekommen.

Jetzt sitze ich bereits wieder seit 2 Stunden im Hotel und mache Hausaufgaben und oh Wunder, mein Ladegerät funktioniert wieder. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sind so leicht nicht erklärbar. Was ich gelernt habe ist, dass man sich durch irgendwelche Zwischenfälle oder Probleme nicht von seiner Routine abbringen lassen darf, sonst bekommt man direkt zu spüren, wie schnell die Umstände hier eine normale Tagestour zum Problem werden lassen. Man wird hier an der Autobahn nicht verdursten, aber wenn man nichts mehr zu trinken hat, dann kann man den Körer auch nicht mehr runterkühlen und  die Leistungsfähigkeit schwindet zusehens.

Ich habe ernsthaft in Erwägung gezogen, mir für die letzten Tage noch eine Checkliste zu machen, damit meine steigende Euphorie und die damit verbundene Undiszipliniertheit mich nicht nochmals in eine derartige Situation bringt.

Morgen, so versicherte mir eben der Hotelmanager, habe ich noch 60 km Wüste und dann geht es in die Berge. Ich werde 80 machen und habe dann noch zwei gemütliche Tagestouren bis San Diego. Starten werde ich morgen  um 06.00 Uhr, nach einem Frühstück. Ja, ich gehe auch noch Wasser einkaufen!

60. Reisetag 30.07.2009

30. Juli 2009

Ich habe jetzt bereits von Robert Meints und Darius Nachfragen gehabt, ob alles in Ordnung sei bei mir, es würden die Blogs fehlen. Ja, es ist alles in Ordnung. Finde ich ausgesprochen nett, dass sich sofort Leute darum kümmern, wenn ich mal einen Tag nicht online bin.

Von Tacna bis Yuma hatte ich heute nur 43 Meilen, da habe ich auch keine Nachtschicht eingelegt. Gegen 06.00 Uhr bin ich auf dem (alten) Highway 80 Richtung Westen parallel zur I-8 losgefahren. Es gab hinter Wellton nur einen Pass, der ca. 3 km bergauf ging, danach erfolgte schon eine Abfahrt, bis nahezu in die Außenbezirke von Yuma. eine unproblematische Fahrt durch die glühend heiße Wüste, die nach weniger als 4 Stunden und 72 km im Nordwesten von Yuma zu Ende ging. Heute habe ich mehr als 5000 km auf dieser Tour gefahren und langsam stellt sich angesichts der geringen, verbleibenden Reststrecke auch Spaß, Zufriedenheit, Stolz  und Gelassenheit ein. Das war ehrlicherweise nicht immer so. Ich selber habe in manchem Augenblick  auch daran gezweifelt, ob ich das überhaupt schaffen werde. Jetzt sind die Zweifel weg und eine ganz neue Gelassenheit erfasst mich. Berge, die gehen zu Ende, so hoch, dass die mich jetzt noch aufhalten,  können die gar nicht sein. Es sind jetzt ca. 180 Meilen bis San Diego. Ich werde auch keine ausgesprochenen Nachtfahrten mehr haben, die doch mehr als unangenehm sind. Jedes Geräusch neben einem, die Tiere, die durch die Nacht tabbern, jedes Fahrzeug, was vor einem anhält, erhöht den Puls. Dauernd versucht man an den Geräuschen des Rades festzustellen, ob alles in Ordnung ist. Das ist jetzt vorbei. Es gibt nur noch moderate Touren, die nicht mehr über 100 km gehen und auch wenn ich morgen nochmals eine ausgesprochene Wüstenetappe durch Sanddünen vor mir habe, ich werde erst gegen 05.00 Uhr losfahren, da setzt bereits die Dämmerung ein. Vorausgesetzt der Wetterbericht macht mir nicht noch einen Strich durch die Rechnung.

Die Strecke nach El Centro verläuft morgen z.T. in Sichtweite der mexikanischen Grenze, da möchte ich ohnehin nicht bei Dunkelheit fahren, denn dann sind all  die Leute unterwegs, die bei ihrer Tätigkeit evtl. nicht gerne gesehen werden wollen.

59. Reisetag 28.07.2009

30. Juli 2009

Bald sitze ich seit 2 Monaten- abgesehen von 3 Tagen Pause – im Sattel.  Der 59. Tag bedeutet  noch einmal eine Strecke von ca. 100 km durch die Sonora Wüste.  Also wieder mal 03.00 Uhr aufstehen, um 03.30 Uhr, bei stockdunkler Nacht dann auf die Autobahn I-8 und die vergleichsweise niedrigen Temeperaturen ausnützen.Über 29 Meilen gibt es nichts außer Wüste und Dunkelheit und die erste Tankstelle dann in Sentinel, einem Wüstenkaff, was im wesentlichen aus der Tankstelle besteht.  So nach ca. 80 km, es war kurz vor 08.00 Uhr genehmigte ich mir  in Dateland ein gepflegtes Frühstück. Das war eine Wohltat und ich hatte die Gewißheit, dass mein Tagesziel nur noch 26 km weit weg war. Allerdings war es zwischenzeitlich bereits wieder richtig heiß geworden. In Dateland gibt es – wie der Name schon sagt: Datteln. Da habe ich mir als Notreserve auch direkt welche eingepackt. Der  Geschäftsinhaber des Restaurants, der Tankstelle und des Geschäfts meinte , das von mir sehnlich herbeigewünschte Motel in Tacna, sei nicht mehr ganz neu, aber ok.

Also wieder aufs Rad und los. Tacna lag dann auf der anderen Seite eines kleinen Passes, für den ich zwar keine Höhenangabe finden konnte, aber bei fast 40 Grad war es eine ausgesprochen schweißtreibenede Angelegenheit. Tacna selber erreicht man über eine Autobahnausfahrt, die an einem Bahnübergang endet. Danach kommt die unerlässliche Tankstelle, das Motel und ein mexikanisches Restaurant. Drum herum verteilen sich Unterkunfte der unterschiedlichsten Art, zweckmäßig, ungeordnet, größtenteils verkommen. Der aufgekommene Wind blies Sandwirbel und loses Gestrüpp über die beiden geteerten Straßen, die aber bereits nach wenigen Metern wieder in die Wüste hinaus führten. Ich weiß es nicht, aber hier hätte man die Außenaufnahmen des Western  ”Spiel mir das Lied vom Tod” drehen können.

Die Frau im Motel war nett, das Zimmer war sehr spartasnisch, das Fernsehgerät zeigte 3 spanische Programme, die beiden englischen waren überwiegend gestört. War mir aber egal, weil ich direkt, als ich nach 105 km  und 5 1/2 Stunden reiner Fahrtzeit ankam, erst mal 5 Stunden geschlafen habe. Ich war durch die Hitze ziemlich platt und meine – zugegebenermaßen blöde – Frage  nach dem Internetzugang, beantwortete die nette Dame mit einem Hochziehen der Augenlider. Ich hatte also frei und brauchte keine Büroarbeiten zu machen.

Gegen 18.00 Uhr habe ich dann das mexikanische Restaurant aufgesucht und zu meiner großen Freude gab es dort Bier. Das Essen war gut und ich bekam die nötige Bettschwere und stolperte wieder in mein Zimmer und schlief bis heute morgen.

58. Reisetag 28.07.2009

28. Juli 2009

Meine gestrige Nachtruhe ist einem Wettbewerb zum Opfer gefallen! Ja, der Kühlschrank im Zimmer war schon ausgesprochen laut und die Klimaanlage ebenfalls. Und wer war lauter, die Klimaanlage! Und wer hat mehr gekühlt, der Kühlschrank! Ich konnte den Kühlschrank nicht abstellen, denn ich hatte dort ja die 7 Liter Getränke für heute und die wollte ich doch wenigstens die ersten Stunden kalt haben. Das Days Inn in Eloy/Casa Grande, muss man nicht gesehen haben. Es liegt zwar günstig an der Gabelung I-8 (San Diego-Yuma) und I-10 (Phoenix), aber die Zimmer sind ausgesprochen klein und drum rum gibt es lediglich die amerikanische Grundversorgung (Burger King, MCD, 2 Tankstellen).

In einer der Tankstellen befand sich dann ein Trucker Restaurant und angesichts der herrschenden Temperaturen verzichtete ich auf eine Fahrt zu einem ca. 1 km entfernten Restaurant. Also auf  in den Truck Stop. Nette Bedienung, angenehm kühl. Die Bedienung fragte bei meiner Bestellung, ob ich über mein Fleisch die weiße oder die braune Soße haben wollte (merke, man fragt nach der Farbe, nicht nach einer Geschmacksrichtung!). Ich wollte weder noch, sondern Senf zu meinem Fleisch. Kein Problem, machen wir. Wenig später kam mein Gericht, welches mit unveränderter Freundlichkeit und “brauner Soße” serviert wurde. Offensichtlich war in der Küche jemand der Meinung, dass es ohne Soße nicht geht. Ich griemelte in mich hinein und verzehrte das ansonsten ordentliche Mahl.

Um 03.30 Uhr hatte ich den Wecker gestellt, eine Tasse Kaffee während der – eingeschränkten Morgentoilette – und um 04.00 Uhr rollte ich durch die Nacht Richtung Casa Grande. die Temperatur betrug 32 Grad! Bis ist anderweitige Erfahrungen gemacht habe, war ich der festen Überzeugung, dass auch in Wüsten die Temperaturen nachts deutlich absinken, ja es sogar empfindlich kühl werden kann. Diesen Vorgang kann man aber offensichtlich nicht generalisieren, denn hier im Südwesten der USA hat es damit nicht geklappt! Ich durfte hier im Ballungsgebiet Tucson/Phoenix noch nicht auf die Autobahn, sondern musste einen Umweg über den Highway 84 machen. Dann erst war auch der Seitenstreifen wieder auf der I-8 für Fahrräder freigegeben. Ich kam trotz leichter Hügel gut voran und war gegen 09.30 Uhr bereits an der ersten Ausfahrt nach Gila Bend, meinem heutigen Tagesziel, angekommen. Die Hitze war allerdings bereits wieder so unbarmherzig geworden, als ich die erste Gelegenheit zu einem kalten Getränk nutzen wollte, und als ich  in den stark gekühlten Raum ging, musste ich mich doch tatsächlich erstmal ganz ruhig hinsetzen, da mir schwindelig war. Offensichtlich zogen sich in der plötzlichen Kühle alle meine Blutgefässe zusammen. Dann allerdings konnte ich das hier übliche “refill” ausnutzen und zu einem Einheitspreis meinen Flüssigkeitshaushalt mit Cola wieder ausgleichen.

Nach 5 Stunden und 15 Minuten hatte ich 105 km geschafft und war dann bereits um 10.30 Uhr im Best Western in Gila Bend. Die Generalprobe für den morgigen, längeren und anstrengenderen Tag hat gut geklappt. Mal sehen, wo ich morgen lande, die beiden zur Verfügung stehenden Motels sind in Privathand und zumindest eines ist nicht eben gut beleumundet. Schaun wir mal!

Bis San Diego sind es jetzt noch 290 Meilen. Das Wissen, bereits fast 5000 km gefahren zu sein, bei Gluthitze, Regen, Gegenwind, über viele Hügel und einige anstrengende Pässe, verursacht eine beständig wachsendes Selbstbewußtsein (was die Bewältigung der restlichen Tour betrifft) und zu deutlich gesteigertem Wohlbefinden, weil einem bewußt wird, dass die riesige Aufgabe nunmehr auf eine überschaubare Größe geschrumpft ist.


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